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10jähriger Geburtstag der Mädchenschule
„Saare Tabitha“ in Maroua/Kamerun
 

Nachdem ich 2005 aus Kamerun zurückgekehrt bin, habe ich mir oft überlegt, wie es sein wird eines Tages wieder auf dem Gelände der Mädchenschule zu stehen. Im Oktober 2010 durfte ich es schließlich erleben und mich gleichzeitig darauf freuen, den 10jährigen Geburtstag von Saare Tabitha mit zu feiern!

Vom 03.- 11.10.2010 flog ich zusammen mit Christian Rommert (Leiter des Gemeindejugendwer-
kes) nach Kamerun. Nach einem eintägigen Aufenthalt in der im Süden gelegenen Stadt Douala machten wir uns am 05.10.2010 auf den Weg in den Norden. Glücklicherweise verlief der Inlandsflug ohne nennenswerte Verspätungen, so dass wir mittags Maroua erreichten. Eine erste Überraschung war, dass mich einige der am Flughafen arbeitenden Kofferträger sofort
  erkannten und mich freudig begrüßten. Wir fuhren schließlich in die Stadt und wurden von den EBM-Missionaren Christel u. Martin Pusch auf der Missionsstation willkommen geheißen.  Da ich es nicht erwarten konnte, zur Mädchenschule zu fahren, gewährten wir uns nur eine kurze Pause und fuhren nach dem Essen sofort auf das ca. 6 km entfernte Gelände von Saare Tabitha! Endlich war ich da!!! Aufgrund einer guten Regenzeit war alles grün und hoch gewachsen. Was für ein Augenblick!

Wie oft hatte ich mir schon vorgestellt,  nach einer so langen Zeit wieder auf dem Gelände zu sein, auf dem ich mich einige Jahre zuvor jeden Tag aufhielt. Viel Zeit zum Nachsinnen blieb mir jedoch nicht, denn nachdem wir bei der Direktorin Catherin Kolyang im Büro vorbeigeschaut hatten, drängte es mich einen Rundgang zu machen. Schon in dem ersten Klassenzimmer traf ich einige der „alten“ Lehrerinnen, die gerade mit Vorbereitungen für das Fest beschäftigt waren. Was für ein Wiedersehen!!! Wir fielen uns in die Arme und setzten uns zusammen und fingen an zu erzählen. Die 5 Jahre, die dazwischen lagen, wurden dabei irgendwie unwirklich.

Nach einiger Zeit des Erzählens gingen wir weiter über das Gelände, wobei die ersten Jahre wie ein Film vor meinen Augen abliefen. Außer, dass ein paar Gebäude dazu gekommen sind, schien alles wie früher und unzählige Geschichten von damals liefen vor meinem inneren Auge ab. Mir schien, als hinge an jedem Quadratmeter und an jedem Gebäude eine Geschichte. Leider fing es schon recht bald an zu dämmern, so dass wir  fürs Erste wieder das Schulgelände verließen.

Die folgenden drei Tage waren mit Besprechungen und Schulverwaltungsratssitzungen gefüllt bis schließlich am Samstag, dem 09.10.2010 der 10-jährige Geburtstag von Saare Tabitha gefeiert wurde.

Auf dem Platz zwischen den Schulgebäuden war ein riesiges Zelt aufgebaut, unter dem alle Gäste Platz finden sollten. Bis ca. 12 Uhr wurden Festreden gehalten und nach dem letzten

offiziellen Programmpunkt verschwanden alle Gäste in eines der Klassenzimmer, in dem ein Imbiss vorbereitet war. Wenig später neigte sich das Fest bereits dem Ende entgegen und die ersten Gäste machten sich auf den Heimweg. Das Festzelt wurde abgebaut und schon bald war die feierliche Stimmung beendet und der gemütliche Teil begann, zu dem Christian Rommert und ich schließlich auch unsere Festtagskleidung bzw. die angefertigten „Tenues“ (ein speziell gefärbter Stoff, aus dem sich alle Mitarbeiter ein Kleid oder Hemd genäht haben) anziehen konnten.

Jetzt hatte ich auch endlich Zeit für ausführlichere Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen.  Stattliche junge Frauen, denen die Ausbildung geholfen hat, zu dem zu werden, was  sie heute sind! Es war sehr ermutigend sie wiederzusehen und ihre Geschichten zu hören, vor allem auch, wie sie immer wieder ihren Dank ausdrückten. Beispielhaft möchte ich gerne eine Geschichte ausführlich beschreiben.

Dazu ein kurzer Rückblick:

September 2000 …. an einem sehr heißen Samstag steht eine junge Frau vor meiner Tür. Schweißgebadet, aber strahlend! Sie erzählte, dass sie 6 km auf ihren Krücken gelaufen ist, um sich für die neue Schule anzumelden. Sie schilderte ihre Situation: durch eine Erkrankung wurde ihr als Kind ein Bein amputiert. Da ihre Eltern am Stadtrand wohnten und kein Geld hatten, täglich Fahrten mit dem Moto-Taxi (umgerechnet etwa 0,60 €) zu bezahlen, saß sie seitdem zu Hause und betete, dass Gott ihr hilft! Als sie von der neuen Mädchenschule hörte, die in unmittelbarer Nähe von dem Hof ihrer Eltern entstehen sollte, war sie überglücklich und dankbar für ihre persönliche Gebetserhörung.

Ich werde  dieses strahlende Gesicht wohl nie vergessen und ich weiß noch, dass mir damals der Gedanke durch den Kopf schoss „auch wenn sie die einzige Schülerin ist, hat sich jeder Aufwand gelohnt!“. Als Asta drei Jahre später die Ausbildung beendete und mich zu der Eröffnung ihres Ateliers einlud, staunte ich ein weiteres Mal über den Mut und Ehrgeiz dieser jungen Frau!

Seit Schulbeginn vor 10 Jahren wurden mittlerweile fast 300 junge Frauen ausgebildet und, da die Schule z.Zt. aus allen Nähten platzt, werden derzeit weitere Wohnhütten und Unterrichtsräume gebaut. Die Schule hat nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus einen so guten Ruf, dass sie schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat.

Einen herzlichen Dank nochmals an alle, die durch Gebet oder finanzielle Zuwendungen dazu beigetragen haben und auch in der Zukunft die Schule unterstützen!

Ein Tag nach dem Fest saßen wir dann schon wieder im Flugzeug. Viel Zeit zum Nachsinnen über die vergangenen Jahre blieb jedoch nicht, da mit dem Rückflug auch mein Hochzeitstermin näher rückte und mir nur noch zwei Wochen blieben, um die letzten Vorbereitungen zu treffen!

„Befiehl dem Herrn deine Wege und vertrau auf ihn, und er wird handeln“.  (Ps. 37,5)

Herzliche Grüße    Kerstin

 

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